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Molly – Rettung im letzten Moment

Molly

2003 ist sie hier im Haus geboren, als drittes und letztes Kätzchen. Sie wirkte als Neugeborenes so kuschelig, darum nannten wir sie Molly. Sie blieb klein, zart und schmal und konnte erbärmlich miauen, wenn sie Futter oder Streicheleinheiten begehrte. Dies wiederum führte dazu, dass ich aus der Nachbarschaft Fragen erhielt: „Gell, die bekommt schon genügend zu fressen?“.

Bald kannten die Kinder im Quartier Molly, die sich gerne streicheln und bespielen liess. Und an mehreren Orten erhielt sie Futter. Denn so ein Kätzchen verwöhnen, wollten einige, ohne die Verantwortung tragen zu müssen. Das führte zu einigen Konflikten, wenn wir die zarte Katze wieder für Tage oder Wochen nicht fanden, Nachbarinnen sich rumdrückten..., ach so, auch keine Milch …“ Und wir gewöhnten uns daran, die Kinder im Quartier zu fragen, in welcher Wohnung Molly sich wohl gerade aufhielt. Erst als sie offenbar in einer ihrer Gastwohnungen die Vögel aus einem Käfig fischte und frass, besserte sich ihr Verhalten: Sie blieb meist zuhause, wurde nach der Tat wohl nicht mehr fremd gefüttert oder machte darauf schlechte Erfahrungen mit Menschen. Mittlerweile war sie aber auch alt geworden, mochte auch kaum mehr in den Garten.

Dann kam dieser milde März. Wohlig schien die Sonne. Die Wohnungstür stand offen. Molly schnupperte in die Luft, blinzelte, schlich raus, trottete mit gesenktem Kopf durch den Garten und verschwand. Blieb verschwunden. Den ganzen Tag. Und den nächsten, übernächsten. Ich machte mir Sorgen. Sie blieb verschwunden. Irgendwann schrieb ich sie auf STMZ (Schweizerische Tiermeldezentrale) aus, liess die Suchmeldung nach einem Monat verlängern, bald schon ohne Hoffnung, aber man weiss ja nie ….

Tierfreunde sind gut vernetzt. Meine Suchmeldung werde an 132 Helferinnen in der Region versendet, wurde mir von der STMZ per Email mitgeteilt.

Zwei Monate später hörte ich eine Meldung auf dem Beantworter: Ob das meine Katze sei, gefunden im Quartier, ausgeschrieben im Internet auf STMZ? Praktisch gleichzeitig stand eine Nachbarin vor der Tür: Ob das unsere Katze sei, die auf Facebook? Also doch? Gefunden nach zwei Monaten? Wir machten uns auf den Weg, keine dreihundert Meter von unserem Haus entfernt war sie aufgetaucht. Abgemagert bis auf die Knochen, knappe zwei Kilo schwer kam sie uns entgegen. Molly war wieder da. Achtsam trug ich sie nach Hause, informierte die „telefonische“ Finderin, schrieb einen Kommentar in die Facebook-Community.

Die Fundmeldung machte schnell die Runde, Erfolg auf der ganzen Linie. Man sei eben Tierfreund, meinten die netten Finder aus der Nachbarschaft. Offensichtlich funktioniert das Netzwerk. Was ich bisher mit einer gewissen kritischen Distanz betrachtet habe, eben Facebook und Co, betrachte ich nun aus einem anderen Blickwinkel, auch mit einer gewissen Dankbarkeit.

Katzen könnten auch dement werden, sich im eigenen Quartier verirren, meinte die Tierärztin am darauf folgenden Tag. Erzählen kann Molly nicht, in der Wohnung findet sie sich prima zurecht, aber sie bleibt künftig zu Hause.

M.B. aus Winterhur